Freitag, 30. April 2027

TRAUM und TRAUMA (Traum[a])

Gedenken an die Salzburger Bücherverbrennung 1938

Träume können unbewusst mit Bildern, Erinnerungen, Vorstellungen usw. im Schlaf entstehen und passieren in der Regel ungesteuert, werden aber auch bewusst als Wunsch und Hoffnung auf eine (bessere) Wirklichkeit, Gegenwart wie Zukunft, formuliert. Bekannt ist der Satz „I have a dream“ von Martin  Luther King 1963 – als Vision einer gerechteren Gesellschaft, einer Welt, in der Menschen frei und gleichberechtigt leben. Ein Traum kann also eine Form des Widerstands meinen. Träume mutieren mitunter zu Albträumen, wie bei politisch-populistischen Träumen, in denen etwa in der NS-Ideologie propagandistisch mit Ängsten, Hoffnungen und Wünschen gespielt und der Begriff „Traum“ manipulativ eingesetzt wurde, um ein (angeblich) besseres Leben vorzugaukeln – und tatsächlich Krieg vorzubereiten: z.B. durch die Rede von nationaler Größe, von Rassenreinheit und Volksgemeinschaft. Aus dem „Traum“ wurde ein Albtraum und ein „Trauma“ für Millionen Menschen.

Während ein „Traum“ häufig mit Emotion und Hoffnung verbunden ist, bedeutet „Trauma“ eine seelische Verletzung, eine angstvoll-besetzte Erinnerung, eine belastend-erschütternde Erfahrung (Krieg, Gewalt, Folter, Verfolgung, Unfall, Katastrophen etc.). Aus belastenden Bildern können Wunden für nachfolgende Generationen entstehen. Gerade bei historischen Traumata kann bewusstes Erinnern eine hilfreiche Bedeutung haben.

Das Thema TRAUM.A soll in Zusammenhang mit der Veranstaltung in Erinnerung an die Salzburger Bücherverbrennung von 1938 als (möglichst) erzählbare Vergangenheit diskutiert und behandelt werden – aus verschiedenen Perspektiven: historisch, psychologisch, literarisch … Und wie immer geht es dabei um die Gegenwart, das Heute.

Literatur – wie viele andere Bereiche der Kunst – versucht seit jeher, Grenzerfahrungen in Sprache zu fassen. Und gerade dort, wo Sprache zu versagen droht (etwa bei der Beschreibung von Träumen), beginnt eine besondere Aufgabe: Zeugnis abzulegen, Erinnerung zu bewahren und dem Unsagbaren eine Form zu geben.

Die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen zielten nicht nur auf Bücher und deren Autoren. Sie richteten sich gegen Gedanken, Stimmen und die Freiheit, anders zu träumen – gegen jüdische, politische, wissenschaftliche und künstlerische Stimmen, die aus dem öffentlichen Gedächtnis gelöscht werden sollten. Dagegen wollen wir gegenwärtig wie künftig ein Zeichen setzen.

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